Copyright-Bullshit: DJ Fac vs. Content-Industrie

Wer Mashups – Bastard-Pop – produziert, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Das weiss jeder, der sich ein wenig mit dem Copyright auskennt. Bei einem Mashup werden zwei oder mehr Chart-Hits so zusammen gemischt, dass sie ein neues Musikstück ergeben. Gleichzeitig aber sind die ursprünglichen Musikstücke noch gut herauszuhören, was den eigentlichen Reiz des Ganzen darstellt.

Für die einen ist es eine Kunstform. Das Ausloten einer Ambivalenz aus Einfachheit und Vielschichtigkeit popkultureller Produkte. Ohne Rücksicht auf Genres. Das moderne Quodlibet, den Kontrapunkt der Chartströmungen austarierend. Die Ergebnisse oft verblüffend und groovy und in der Regel Popowackel-Partymaterial.

Für die anderen ist es gemeiner Diebstahl geistigen Eigentums. Verwertung ohne Verwertungsrechte. Das Erschleichen von Leistungen. Und das wird von den großen Medien-Labels verfolgt und bestraft. Zunehmend vehement.

Das musste leider auch DJ Fac im Frühjahr dieses Jahres erleben. Der Schweizer DJ hatte vor langer Zeit auf BerlinerStrassen.com seine neuen Mixes angekündigt. Diese lagen auf seiner Website kostenlos zum Download bereit, was ihm zum Verhängnis wurde.

Die Polizei ist eingeritten, hat Computer und Datenträger beschlagnahmt und DJ Fac wurde wegen Urheberrechtsverletzungen von SUISA (Genossenschaft Schweizer Autoren) und der IFPI (Weltverband der Por.. äh…Phonoindustrie) angezeigt. Mittlerweile gibt es ein Ausgleichsangebot, das sich auf rund 10.000€ beläuft.

Mit der Musikmischerei ist es beim nunmehr ehemaligen DJ Fac erstmal vorbei. Er “habe zwar die beschlagnahmte ware (laptop, cd’s und hd’s) wieder zurück bekommen, aber mit mashups produzieren ist vorerst schluss”, schreibt er mir. Auf seiner Webseite liegen natürlich nur noch ein paar Fotoalben.

Mich haben einige von DJ Facs Mixen die letzten Jahre stets begleitet. So hat unter anderem “I heard it through the Zdarlight”, ein Mix aus Digitalisms “Zdarlight” und Martin Gayes “Heard it through the Grapevine” einen festen Platz auf meinem MP3-Player.

Ich finde es erschreckend, dass unter dem Vorwand des Urheberrechts anerkannte popkulturelle Strömungen im Keim erstickt werden. “Fair Use” gibt es leider nur in den USA, aber auch dort ist nicht ganz klar, ob Mashups unter diese Doktrin fallen. Die Industrie stellt sich natürlich mit geballter juristischer Kraft dagegen. Manchmal klappt es aber, dass sich die Netzgemeinde gegen das Verwertungsmonopol auflehnt, wie 2004 beim Grey Album von Danger Mouse geschehen. Können die Künstler jedoch nicht auf eine entsprechende Fanbasis zurückgreifen, sind sie dran. Den letzten beissen die Hunde.

DJ Fac wurde gebissen. Er leckt sich die Wunden und hat einen Berg Schulden vor sich. Er twitterte nach der Wohnungsdurchsuchung von seinem Smartphone aus über Fußball und den “Scheiss-Sommer mit Arschloch-Gewittern” – verständlicherweise kaum noch links zu guter Musik wie vor der Hausdurchsuchung.

Dj Fac ist einer von vielen, die sich künstlerisch Ausdrücken wollten, aus welchem Motiv auch immer, aber von der Armee der Finsternis heimgesucht und unterdrückt wurden. Die Zahlungsaufforderung steht im Raum und nach geltendem Recht ist da wohl kaum noch was zu machen. Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als Netzgemeinde für die Kosten einzuspringen. Auf der Facebook-Seite SAVE DJ FAC! gibt es weitere Informationen, wie und wann für den ehemaligen DJ gespendet werden kann.

9 Gedanken zu “Copyright-Bullshit: DJ Fac vs. Content-Industrie

  1. Uff, das ist ja mal ‘ne harte Nuss. DJ Fac war immer ein Guter und hat seine großartigen Mashups mit Leidenschaft produziert. Und, das ist der Kern, niemals Geld dafür genommen. In diesem nicht-kommerziellen Fall stehen der künstlerischen Freiheit kleingeistige Copyright-Regelungen entgegen, die mit einer neuen Remix-Realität des Internets nichts mehr zu tun haben.

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  2. hab mich letztens schon gewundert/geärgert, dass seine webseite nicht mehr inder alten Form existiert.. hat jemand noch n mirror bzw ein backup seiner mixes?

    wennn ja bitte irgendwo uppen – passenderweise vll beim schweizer anbieter rapidshare?

    bitte sagt mir dass diese geilen mixes nicht alle weg sind – sch… auf die musikindustrie!

    [Antwort]

  3. Pingback: Save DJ Fac – Jetzt mit Paypal und Flattr | dickedecke // de

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